Der Osterhase

 

Ich erinnere mich an Etwas, das passiert ist als ich noch ein kleines Kind war,...

 

Ich hatte ziemlich lange mein Gitterbettchen. Mit der Zeit hatte ich aber gelernt, herauszuklettern. Das war eines Tages mein Glück...

 

Es war ein sonniger Morgen.Ich war gerade erst aufgewacht und die Sonnenstrahlen schienen durch mein Fenster. Es war ruhig in der Wohnung und man hörte von draußen frühlingshaftes Vogelgezwitscher. Meine Eltern schliefen wohl noch und ich wusste, dass ich sie so früh nicht stören sollte. Ich schaute mich um. Mein Zimmer war eigentlich ziemlich klein, aber das war für so ein kleines Kind wie ich es war nicht wichtig. Außer dem Bett gab es ein Nachtschränkchen, einen Bettvorleger, ein Mobile und ein Regal. Meine Spielsachen waren unter dem Bett. Bis zur Wand war nur eine Flurbreite Platz. Am Kopfende des Bettes war ein hochliegendes Fenster.

 

Dann fiel mein Blick auf das Holzregal über mir. Dort standen in Reih und Glied die Süßigkeiten, die ich zu Ostern bekommen hatte. Ich sah das Körbchen mit den Eiern und den bunten, in Alufolie verpackten Osterhasen. Schokolade! Ich stemmte mich hoch und versuchte ihn zu erreichen. Tatsächlich kam ich dran.

 

Dass man ihn auspacken musste kam mir nicht in den Sinn und so biss ich die Ohren mitsamt der Folie ab. Ich kaute und schmeckte die Schokolade. Zwar war die Folie hart und metallisch, aber das war mir egal. Es war wie ein Zwang, die Schokolade möglichst schnell hinunterzuschlucken.

 

Plötzlich blieb mir der Knäuel im Hals stecken. Ich versuchte, ihn wieder auszuwürgen aber er saß fest.

 

Keine Luft! Angst! Mama und Papa müssen helfen!

 

Ohne weiter nachzudenken kletterte ich mit letzter Kraft über die Gitterstäbe, fiel auf der anderen Seite auf den Boden, rappelte mich auf und rannte ins Schlafzimmer.

 

Glücklicherweise waren sie schon wach. Meine Mutter stürzte entsetzt aus dem Bett. Geistesgegenwärtig packte sie mich mit einer Hand an den Füßen, riss mich hoch und schlug mir mit der anderen Hand mit voller Wucht mehrmals auf den Rücken. Ich versuchte zu schreien und das Knäuel aus Alufolie schoss aus meinem Hals.

 

 

Es war ein überwältigendes Gefühl, als ich wieder atmen konnte. Ich glaube, ich schrie und weinte.Was meine Eltern dann gesagt und getan haben, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls waren sie bestimmt sehr erleichtert. Ich hätte an diesem lauen Frühlingsmorgen ja auch in meinem Bett ersticken können...

 

Wenn ich darüber nachdenke, überlege ich wie sich meine Einstellung meiner Mutter gegenüber so ins Ungute verkehren konnte. Ohne sie würde ich jetzt nicht mehr leben...! Ohne sie würde ich sogar überhaupt nicht leben...!

 

Trotzdem habe ich immer das Gefühl, dass wegen ihrem Verhalten mir gegenüber und auch einigem anderen irgendwann in meinem Leben meine Seele zerbrochen ist.

 

Wahrscheinlich kann sie aber überhaupt nichts dafür wie sie ist, denn ihre eigene seelische Gesundheit wurde wie es scheint schon durch ihre schlimme Kindheit im Kinderheim und als Pflegekind im Krieg verkorkst.