"Eigentlich komme ich ja vom Mars!"

 

 

 

Heute Abend (25.08.2018) kam auf ARTE ein Film über den Mars, wo es auch um eventuell vorhandene, bakterielle Lebensformen ging. Leider habe ich das meiste verschlafen. Jedenfalls ist mir dabei eine Geschichte aus den Jahren eingefallen, wo ich so massiv Stimmen hörte.

 

Wenn ich mich richtig erinnere war es 1997, als im Fernsehen ein Film mit dem Titel „Hören Sie Stimmen?“ vom NDR kam. Es ging darum, einen anderen Umgang mit dem Stimmenhören zu finden. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass das Hören von Stimmen nicht nur bei Schizophrenie, sondern auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei anscheinend gesunden Menschen auftreten kann. Spirituelle und übernatürliche Ideen dazu wurden ebenfalls akzeptiert, was mich besonders ansprach. Jeder sollte sich seine eigene Auslegung dieser Wahrnehmungen zurechtlegen dürfen, so lange es sein Leben damit erleichterte.

 

Es wurde über die Gründung eines Vereins mit dem Namen „Netzwerk Stimmenhören“ kurz „NeSt“ berichtet. Dieser Verein unterstützt Selbsthilfegruppen, die teilweise trialogisch, d.h. unter Beteiligung von Betroffenen, Angehörigen und Ärzten arbeiten.

 

Ich fand dann heraus, dass es so eine Gruppe in einer Stadt gab, die man ganz gut erreichen konnte und kam mit einer älteren Dame in Kontakt, die diese damals leitete. Nach einem ersten Gespräch fuhr ich immer am 1. Samstag im Monat für ein zweistündiges Treffen in einem Café dort hin. Anfangs fuhr mein Mann mit. Ein Psychiater, der die Gruppe unterstützte, bot ein paar mal seine in der Nähe liegende Praxis als Treffpunkt an, bevor es ihm dann wohl zu viel wurde. Wir versuchten bei ihm auch eine Paartherapie zu machen, was aber scheiterte. Anfangs waren wir etwa 10 Leute, von denen die meisten Betroffene waren. Zeitweise nahmen wir eine junge Frau aus unserer Stadt mit, die aber noch schlechter mit ihrem Zustand zurecht kam und dann nach kurzer Zeit alles was sie hatte verkaufte um auf Wanderschaft zu gehen. Ich wüsste gerne, was aus ihr geworden ist, erinnere mich aber nicht mal mehr an ihren Namen.

 

Jedenfalls erinnere ich mich bis heute lebhaft an eines dieser Treffen bei dem Psychiater.

 

Wir hatten uns wieder mal über Methoden, um besser mit den Stimmen zurecht zu kommen unterhalten und ein älterer Mann, der dort Landrat war, gab uns den Rat mit Hilfe von kreisenden Bewegungen des Zeigefingers unter den Ohrmuscheln die Anspannung die wir alle durch die ständige Belastung hatten weg zu massieren. Das helfe auch gut gegen Tinnitus. Dann meinte ein junger Mann, der mit seiner Mutter gekommen war und vor seiner Erkrankung katholische Theologie studiert hatte, er ginge mal kurz aufs Klo. Normalerweise redete er kaum.

 

Er kam dann total aufgeregt zurück und erzählte wenn ich mich richtig erinnere, seine Stimme (er hörte immer nur eine weibliche Stimme die ihn auch körperlich quälte) habe ihm gerade gesagt, sie wäre im Mittelalter verbrannt worden. Dass es wohl anscheinend eine Hexe sein sollte, entsprach der Tatsache, dass seine Mutter gesagt hatte, er fühlte sich gefoltert und spürte auch Schmerzen dabei.

 

Kurz darauf musste ich ebenfalls aufs stille Örtchen und dort hörte ich meine männliche Lieblingsstimme plötzlich laut und vernehmlich den einen Satz sagen: „Eigentlich komme ich ja vom Mars!“. Sonst kam nichts mehr. Normalerweise sagten sie nie etwas über sich selbst. Deshalb war ich sehr überrascht. Ich fand es total interessant, dass meine Stimme ein Ausserirdischer sein sollte, aber seine eine Hexe. Er beschäftigte sich mit der Zeit der Inquisition und ich liebte Science Fiction. War das der Grund dafür?

 

Einige Zeit später hörte ich irgendwo die Geschichte der Scientologen, wo die Thetanen von einem anderen Planeten (weiß jetzt nicht mehr wie der heißt, aber ich glaub nicht Mars) auf die Erde verbannt wurden und seither in Menschen lebten. Das passte schon dazu, aber damals kannte ich diese Geschichte noch gar nicht. Vielleicht hatte Hubbard ähnliche Erlebnisse und so seine Geschichte entwickelt?

 

Vielleicht wollte mir meine Stimme sagen, seine hochentwickelte aber körperlose Lebensform sei vor Jahrmillionen wirklich vom Planeten Mars hierher gekommen, weil ihr Heimatplanet eventuell unbewohnbar geworden war und sie lebten seither unsichtbar als Symbionten aller Lebewesen (auch Tiere) auf der Erde. Vielleicht hatten sie sogar zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen? Vielleicht hatten sich daraus die Religionen entwickelt? Vielleicht ist das überhaupt der Missing Link zwischen Wissenschaft und Religion? Kurz danach kam auch in der Presse, dass man auf dem Mars nach Leben suchen möchte. Ich war begeistert! Vielleicht war ja an dem was meine Stimme gesagt hatte wirklich etwas dran?

 

Ich ging also zu den anderen zurück und teilte ihnen freudig mit, was ich gehört hatte. Leider schauten sie nur kurz erstaunt auf. Ansonsten schien es sie nicht weiter zu interessieren. Wieder mal ne Hallu eben...

 

 

Die Gruppe löste sich mit der Zeit immer mehr auf und nach etwa zwei Jahren ging ich nicht mehr hin, weil es einfach nichts mehr zum Reden gab und um sich intensiver zu engagieren war es einfach zu weit. Auch war mir die lange Strecke für einen zweistündigen Aufenthalt zu anstrengend. Auch heute gibt es noch das Netzwerk Stimmenhören, aber es spielt in meinem Leben keine Rolle mehr. Einige Zeit hatte ich mich noch am Forum der Netzwerkseite beteiligt. Leider traten dort wie in vielen Foren immer mehr Trolle oder Menschen die total durchgeknallt waren auf, so dass es keinen Spaß mehr machte.