Kaninchen

 

Zu Beginn der Realschule hatte ich mich mit einigen Klassenkameradinnen besonders angefreundet. Wir trafen uns öfters Nachmittags nach der Schule zum Schwatzen, Spazieren gehen und Musik hören. Eines Tages im Sommer, als ich zusammen mit El., Ni., Ma., und Sa. bei unserer Freundin Si. war, meinte diese, sie wollte uns etwas zeigen.

 

Sie führte uns zu einem großen Hasenstall aus Holz mit mehreren Boxen, wie man ihn früher hatte. In einer der Box mit jeder Menge Stroh saß ein braunes Zwergkaninchen und drum herum fünf Babies. Ich war total entzückt. Als ich noch kleiner gewesen war, hatten wir zu Hause eigene Kaninchen, die aber zum Schlachten bestimmt waren. Ich hatte sogar ein weißes Zwergkaninchen mit roten Augen bei einer Tombola gewonnen. Leider war dieses in der Heuraufe hängen geblieben und erstickt. Nun waren sie mitsamt den Hasenställen und dem Hühnerstall abgeschafft worden und ich hatte zu der Zeit kein Haustier mehr.

 

Ihre Mutter kam dazu und fragte mich, ob ich nicht eins haben wollte. Mir fiel ein, dass ich zu Hause noch einen Meerschweinchenkäfig hatte und überlegte nicht lange: Am späten Nachmittag nahm ich das Kleine völlig unüberlegt mit. Futter und Heu fürs Erste gab sie mir mit. Der Weg wurde mir sehr lang mit dem großen Karton, in dem sich das Tierchen befand. Mir kamen immer schlimmere Bedenken, vor allem nachdem sich die anderen von mir verabschiedet hatten. Ich wurde immer unsicherer. Meine Mutter würde bestimmt nicht sehr begeistert sein, wenn ich schon wieder ein Tier anschleppte.

 

Als ich zu Hause ankam, zeigte ich es zuerst meinem Opa, der in seiner Werkstatt saß. Er freute sich für mich. Dann musste ich es aber meiner Mutter beichten. Leider war es so, wie ich gedacht hatte. Sie wurde total wütend und meinte, ihr käme kein Kaninchen mehr ins Haus. Ich sollte das Tier sofort zurückbringen. Beschämt machte ich mich auf den Weg zurück und heulte mir dabei fast die Augen aus dem Kopf. Als ich bei Si. ankam, war diese auch fast noch ein wenig beleidigt, dass ich das Tierchen zurückbrachte. Ich schämte mich total und wusste nun, dass ich das gar nicht erst hätte probieren sollen.

 

 

Das Leben ist eben ein Lernprozess!