Mauersturz

 

Als ich klein war, durfte ich jeden Sonntagmorgen mit meinem Vater zum Naturfreundehaus in unserem Ort. Er spielte dort bei einem Bier oder Viertel Wein mit einigen Freunden Binokel oder Skat und ich bekam immer eine Cola und ein Päckchen Salzstängel. Das Haus lag etwas außerhalb des Ortes an der Nordseite eines bewaldeten Berges. Dort war auch das Vereinsheim des Kraftsportvereines und daneben gab es eine betonierte Bühne mit einer Mauer die den Hang abstützte. Einer der anderen Kartenspieler brachte auch seinen Sohn mit und ab und zu kam auch das eine oder andere Kind aus den Wohnhäusern in der Nähe dazu. Bei schönem Wetter streunten wir im Wald und auf einem in der Nähe liegenden Spielplatz herum.

 

Einmal liefen wir umher und kamen auf der Mauer der Bühne an. Wir wollten darüber zum Gelände des Naturfreundehauses laufen. Irgendwie verlor ich aber plötzlich das Gleichgewicht und stürzte kopfüber, bestimmt einen Meter tief, auf die Betonplatte der Bühne. Ich fiel direkt auf den Kopf und war zuerst total geschockt. Es hatte zwar kurz weh getan, aber etwas war plötzlich anders... Die anderen Kinder waren anders... Mir schien es, als könnten sie mich überhaupt nicht leiden... Es tat zwar weh, aber ich sprang sofort auf und lief, ohne noch auf die anderen zu achten, weinend zu meinem Vater in die Wirtsstube. Ich sagte ihm, dass ich runtergefallen war und er schaute sich kurz meinen Kopf an. Er meinte nur, das würde wohl eine Beule geben und spielte weiter. Ich blieb die restliche Zeit mit am Tisch sitzen. Ob ich daraufhin Kopfschmerzen bekommen habe, weiß ich nicht mehr.

 

Das war, wenn ich mich recht erinnere, das letzte Mal dass ich mit den anderen Sonntagmorgens gespielt habe. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich einfach nicht mehr mitgehen. Irgendwie hatte ich ihnen die Schuld an dem Sturz gegeben. Wahrscheinlich standen sie in dem Moment auch nur vor Schreck erstarrt auf der Mauer, aber ich rannte ja nur noch davon und schaute nicht mehr zurück.